Hört sich an wie der Titel eines weniger anspruchsvollen Kinderbuches, oder man denkt an die Hexe Wackelzahn. An den Wackeldackel, der mit Vorliebe auf der Hutablage eines Rentnerautos thront, denken wir jetzt mal nicht.

Wackelsteine gibt es wirklich und das nicht nur hier im Bayrischen Wald, aber über diesen wird nun berichtet und ich verrate auch gleich die Adresse: Saldenburg, Ortsteil Entschenreuth. Das ist zumindest einer der Ausgangspunkte, heißt, wo  man sein Kfz parken, die Schuhe schnüren und losmarschieren kann.

Nur am Rande bemerkt: Auch wenn ihr wie ich nur etwas mehr als 30 km Anfahrt habt, benutzt den Navi. Außer ihr seid ortskundig, aber dann erübrigt sich eh die Geschichte. Wir dachten, wir könnten uns am Brotjacklriegel orientieren, den ich als geologische Ignorantin nur an seinem Funkturm erkenne, nur war der einmal vor uns, dann links oder mal wieder rechts. Außerdem scheint der blöde Berg viele große Füße zu haben, und an welchem Fuß desselben nun besagter Platz mit dem Stein zu finden ist steht  auf keinem Wegweiser. Aber man kann sich durchfragen. Und während der Fahrt die wunderschöne Landschaft genießen.

Das Auto steht endlich auf dem Parkplatz mit einer großen Tafel, auf der die verschiedenen Wanderwege eingezeichnet sind. (Übrigens genauso wenig aufschlussreich wie die bisherigen Wegweiser.)

Aber jetzt marschieren wir los.

Erst über eine Forststraße, immer bergauf, danach wird den Pfeilern gefolgt, die uns etwas Phantasie abverlangten, da manchmal nicht mehr eindeutig war, in welche Richtung man sich wenden sollte. Besonders wenn einer der stilvoll hölzernen Weiser in beide Richtungen zeigt. Egal, zu Fuß scheint man sich besser orientieren zu können als per Auto, das letzte Stück gings über Stock und Stein und in einer Art Lichtung auf einer Erhöhung standen sie! Ja, mehrere dieser mythisch anmutenden Granitblöcke, spielerisch aufeinander und nebeneinander platziert, sanft abgerundet und cirka 300 Millionen Jahre alt. Und am herausragendsten Punkt der Wackelstein.

Man steht vorerst nur ehrfürchtig vor diesen Zeitzeugen unserer Erdentstehung, dann siegt natürlich die Neugier. Schleicht sich an, klettert über Wurzeln und Steine und betrachtet das Phänomen von allen Seiten. Der Stein liegt wirklich mit seiner abgerundeten Unterseite nur an einem Punkt auf seiner fast ebenen Plattform.

Danach kommt die Experimentierlust.

Wir haben ihn natürlich nicht zum wackeln gebracht, wahrscheinlich wären wir laut schreiend davongelaufen, hätte er sich bewegt. Mein Kumpel hat nach vergeblichem rütteln gemeint, der Stein hätte vibriert, ich hab mir eingebildet, er hätte gebrummt. Klar haben wir es an der falschen Stelle versucht. Wir ließen den Koloss von geschätzten 50 Tonnen weiter seiner Zukunft entgegenträumen und erkundeten die ringsum liegenden Gebilde. Wurden zu behaarten Steinzeitmenschen und bestimmten eine Formation zum Schlafraum, eine andere zur Küche und den Rest zu Sonnenterrassen. (An Regen und Schnee denkt ein Mensch aus dieser Zeit nicht.)

Und stellten wieder einmal fest, wie klein wir doch sind mit unseren Problemchen. Und wie wenig wir wissen.

Der Abschied von den Steinen war respektvoll und fiel uns nicht schwer. Trotzdem muss ich wieder dort hin.